Schilddrüse & Darmgesundheit: Die unterschätzte Verbindung, die du kennen solltest - myBioma

Schilddrüse & Darmgesundheit: Die unterschätzte Verbindung, die du kennen solltest

Unsere Schilddrüse und unser Darm wirken auf den ersten Blick wie zwei völlig unterschiedliche und voneinander unabhängige Organe: Die eine sitzt am Hals und steuert über ihre Hormone zahlreiche Körperfunktionen, der andere ist ein langer Schlauch im Bauch, der für die Verdauung zuständig ist. Doch hinter den Kulissen findet ein reger Austausch statt – vermittelt über das Darm-Mikrobiom. Und dieser Austausch spielt eine wichtige Rolle für Gesundheit, Stoffwechsel und Wohlbefinden. 

Was macht eigentlich die Schilddrüse?

Die Schilddrüse ist ein kleines, schmetterlingsförmiges Organ im Hals. Sie produziert wichtige Hormone, die für viele Organfunktionen lebensnotwendig sind. Man kann sie sich wie ein Gaspedal vorstellen, das bestimmt, wie schnell oder langsam der Körper arbeitet.

Schilddrüsenhormone beeinflussen unter anderem:

  • wie viel Energie wir verbrauchen
  • ob wir uns ausgeglichen und leistungsfähig oder müde und erschöpft fühlen
  • wie hoch unser Puls und Blutdruck sind
  • wie gut Verdauung und Stoffwechsel funktionieren
  • wie warm oder kalt uns ist
  • wie stabil unsere psychische Gesundheit, Stimmung und Konzentrationsfähigkeit sind

Die wichtigsten Schilddrüsenhormone im Überblick

  • T4 (Thyroxin): Das „Vorrats- oder Speicherhormon“
    Es wird in größerer Menge gebildet und dient vor allem als Ausgangsstoff für das aktive Hormon T3.
  • T3 (Trijodthyronin): Das „aktive“ Schilddrüsenhormon
    Es sorgt dafür, dass unsere Zellen Energie produzieren, unsere Verdauung läuft, unser Herz schneller oder langsamer schlägt und wir uns leistungsfähig fühlen.

💡 Die Schilddrüse stellt vor allem das Hormon T4 her. Dieses ist eine Art Vorstufe und wirkt im Körper nur schwach. Erst wenn T4 in das aktive Hormon T3 umgewandelt wird, kann es seine volle Wirkung entfalten. Diese Umwandlung findet nicht nur in der Schilddrüse selbst statt, sondern vor allem in anderen Organen wie der Leber, dem Darm und weiteren Geweben. So kann der Körper je nach Bedarf steuern, wie viel aktives Schilddrüsenhormon tatsächlich zur Verfügung steht.

  • TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon): TSH kommt nicht aus der Schilddrüse, sondern aus der Hirnanhangsdrüse. Es ist das Steuersignal für die Schilddrüse:
    • wenig T3/T4 → TSH steigt → Schilddrüse soll mehr produzieren
    • ausreichend T3/T4 → TSH sinkt → Produktion wird gedrosselt

💡 Nur wenn TSH, T4 und T3 gut aufeinander abgestimmt sind, läuft der Stoffwechsel im richtigen Tempo.

  • Calcitonin: Wird in den C-Zellen der Schilddrüse gebildet und ist am Kalzium- und Knochenstoffwechsel beteiligt. Es unterstützt die Knochenstabilität und wirkt dem Verlust von Knochenmasse entgegen.
Schilddrüse: Reguliert Körperfunktionen, Hormone, Stimmung, Stoffwechsel. Zusammenhang mit Darmgesundheit und Mikrobiom über das Immunsystem. Braucht Jod, Eisen, Zink, Selen, Vitamin D.
Die Schilddrüse ist ein lebenswichtiges Organ, welches viele verschiedene Körperfunktionen steuert.

Was ist das Darm-Mikrobiom und wie beeinflusst es unsere Schilddrüse?

Im Darm leben Billionen von Mikroorganismen (überwiegend Bakterien), die zusammen das Darm-Mikrobiom bilden – auch bekannt als Darmflora. Diese Mikroben helfen uns, Nahrung zu verdauen, Vitamine zu produzieren, das Immunsystem zu regulieren und beeinflussen unseren Hormonhaushalt und unsere psychische und mentale Gesundheit.

Eine vielfältige, ausgeglichene Darmflora ist ein wichtiger Baustein für unsere allgemeine Gesundheit und steht in Verbindung mit allen Organsystemen. Je weniger Vielfalt, desto höher kann das Risiko für Stoffwechselprobleme, Infektionen oder chronische Entzündungen sein.

Ist das Mikrobiom aus der Balance geraten – also wenn beispielsweise potenziell schädliche Bakterien die Überhand nehmen und wichtige, nützliche Bakterien verdrängen, spricht man von einer Dysbiose. Bei Patient:innen mit einer Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse und Schilddrüsenkrebs kann häufig eine Dysbiose nachgewiesen werden. Aber wie kann man sich das erklären?

Leaky Gut und die Schilddrüse

Eine Dysbiose kann unter anderem zu Leaky Gut führen – einer Beeinträchtigung der Darmbarriere. Ist die wichtige Barrierefunktion der Darmschleimhaut eingeschränkt, können unerwünschte Stoffe leichter vom Darm in den Körper gelangen. Das kann das Immunsystem übermäßig aktivieren, was zu chronischen Entzündungen und sogar Autoimmunerkrankungen führen kann.

Einfluss auf die Nährstoffversorgung

Darüber hinaus beeinflusst die Zusammensetzung der Darmbakterien die Verfügbarkeit wichtiger Mikronährstoffe für die Schilddrüse. Jod, Eisen und Kupfer sind entscheidend für die Herstellung von Schilddrüsenhormonen. Selen und Zink werden benötigt, um die Hormone T4 in T3 umzuwandeln, und Vitamin D hilft bei der Regulation der Immunantwort. Diese Mikronährstoffe sind bei Schilddrüsenerkrankungen oft mangelhaft, wodurch die Schilddrüse ihre wichtigen Aufgaben nicht mehr gut erfüllen kann (1).

Mikrobiom Zusammensetzung verstehen und gezielt verbessern

Ob eine Darm-Dysbiose Ursache oder Folge von Schilddrüsenerkrankungen ist, ist bisher noch unklar. Da Darm und Schilddrüse jedoch eng miteinander verbunden sind, könnte die gezielte Modulation des Mikrobioms künftig eine wichtige Rolle in der Therapie von Schilddrüsenerkrankungen spielen. Auch erste Studien zur Anwendung von Probiotika für die Unterstützung der Schilddrüsenfunktion zeigen vielversprechende Ergebnisse.

Sowohl bei einer Schilddrüsenüberfunktion, als auch bei einer Schilddrüsenunterfunktion zeigen Untersuchungen, dass die Bakterienzusammensetzung im Darm verändert ist (2–4). Mit dem myBioma Mikrobiom-Test Ultimate kannst du herausfinden, wie gut dein Mikrobiom deine Schilddrüsenaktivität unterstützt.

Hinweis: Es handelt sich hierbei um mögliche Zusammenhänge auf Basis wissenschaftlicher Untersuchungen und der stetig wachsenden Datenbank von myBioma. Die Ergebnisse stellen keine Diagnose dar und ersetzen keine ärztliche Betreuung, können aber einen wertvollen Hinweis liefern.

Wie hängen Darm und Schilddrüse zusammen?

Die Darm-Schilddrüsen-Achse beschreibt die enge, wechselseitige Kommunikation zwischen diesen beiden Organen. Wie bereits erwähnt, spielt das Darm-Mikrobiom über seinen Einfluss auf das Immunsystem und die Nährstoffverfügbarkeit eine wichtige Rolle. Ein weiteres Beispiel für die Bedeutung dieser Achse ist, dass Schilddrüsen- und Darmerkrankungen häufig gemeinsam auftreten: Die Autoimmunerkrankungen Hashimoto-Thyreoiditis und Morbus Basedow sind die häufigsten Erkrankungen der Schilddrüse und treten oft zusammen mit Zöliakie oder Glutensensitivität bzw. Nicht-Zöliakie-Weizensensitivität (NCWS) auf (1).

Schauen wir uns nun aber genauer an, wie Darm und Schilddrüse miteinander interagieren:

So beeinflusst der Darm die Schilddrüse 

  • Nährstoffaufnahme: Damit deine Schilddrüse Hormone bilden kann, braucht sie vor allem Jod, Selen, Eisen und Zink. Ein gesundes Darm-Mikrobiom unterstützt indirekt die Aufnahme und Verwertung dieser Mikronährstoffe und beeinflusst damit, wie gut die Schilddrüse versorgt ist. Ist die Darmgesundheit beeinträchtigt, kann die Aufnahme dieser Mikronährstoffe eingeschränkt sein – mit Folgen für die Hormonproduktion.
  • Hormonsignalumwandlung: Das Hormon T4 wird im Körper zu aktivem T3 umgewandelt. Studien deuten darauf hin, dass probiotische Darmbakterien wie Bifidobakterien und Laktobazillen diesen Prozess unterstützen.
  • Immunsystem & Autoimmunität: Rund 70 % unserer Immunzellen sitzen im Darm. Ein gestörtes Mikrobiom kann Entzündungen auslösen oder verstärken und die Immunreaktion fehlleiten, was Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto-Thyreoiditis oder Morbus Basedow begünstigen kann (1,4).

So beeinflusst die Schilddrüse den Darm

  • Verdauung: Schilddrüsenhormone regulieren die Darmbewegung – also die Geschwindigkeit, mit der die Nahrung verdaut wird und sich durch den Darm bewegt. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion kann sich die Verdauung verlangsamen (Verstopfung), bei einer Überfunktion beschleunigen (Durchfall) (5).
  • Mikrobiom-Zusammensetzung: Schilddrüsenhormone beeinflussen indirekt das Darmmilieu und damit, welche Bakterien sich im Darm vermehren können. Ein Beispiel: Menschen mit Schilddrüsenunterfunktion leiden häufiger an SIBO – einer bakteriellen Fehlbesiedelung des Dünndarms. Studien zeigen, dass eine korrekt eingestellte Schilddrüsentherapie das Risiko für SIBO senken und das Mikrobiom stabilisieren kann (6).
Schilddrüse und Darm beeinflussen sich gegenseitig: Ein gesundes Mikrobiom unterstützt Immunsystem, Darmbarriere, Nährstoffversorgung und Hormonproduktion der Schilddrüse. Die Schilddrüse beeinflusst Verdauung, Stoffwechsel und Zusammensetzung der Darmflora.
Das Darm-Mikrobiom und die Schilddrüse kommunizieren ständig miteinander und beeinflussen sich gegenseitig über verschiedene Mechanismen.

Wie kannst du Mikrobiom und Schilddrüse unterstützen?

Die richtige Ernährung und ein gesunder Lebensstil fördern deine Darmgesundheit und unterstützen deine Schilddrüse bei der Hormonproduktion.

Mikronährstoffe für die Schilddrüse (1)

  • Jod
    • Ist essentiell für die Produktion von Schilddrüsenhormonen und wird in der Schilddrüse gespeichert.
    • Quellen: Vor allem jodiertes Speisesalz, Seefisch und andere Meeresprodukte wie Algen. Der Jodgehalt von Nahrungsmitteln unterliegt großen Schwankungen, abhängig vom Jodgehalt der Böden sowie der Jodversorgung von Nutztieren. Dementsprechend können beispielsweise auch Milch und Eier zur Deckung des Jodbedarfs beitragen. 
  • Eisen
    • Ist essenziell für die effiziente Verwertung von Jod und die Bildung von Schilddrüsenhormonen.
    • Bestimmte Darmbakterien wie Laktobazillen können die Eisenverfügbarkeit erhöhen.
    • Quellen: Tierische Quellen wie rotes Fleisch und Innereien liefern Eisen, das für den Körper am besten verfügbar ist. Pflanzliche Quellen wie Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse, Samen und grünes Blattgemüse sollten am besten gemeinsam mit einer Vitamin-C Quelle aufgenommen werden, um die Verfügbarkeit zu erhöhen.
  • Zink
    • Unterstützt die Umwandlung von T4 in das aktive T3 und wirkt antioxidativ.
    • Quellen: Austern, Rindfleisch, Innereien, Käse, Vollkornprodukte, Haferflocken, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen.
    • Tipp: Die Bioverfügbarkeit von pflanzlichen Quellen lässt sich erhöhen, indem sie mit tierischem Protein wie Joghurt oder Ei verzehrt werden. Außerdem erhöht Fermentation (z.B. Sauerteigbrot) oder Keimung die Bioverfügbarkeit.
  • Selen
    • Ist Bestandteil wichtiger Enzyme, die die Schilddrüse vor oxidativem Stress schützen und ist an der Aktivierung der Schilddrüsenhormone beteiligt.
    • Quellen: Vor allem Fisch, Fleisch, Eier und Paranüsse. Bei anderen pflanzlichen Quellen wie Pilze, Kohl- und Zwiebelgemüse, Linsen und Spargel hängt der Selengehalt stark von der regionalen Bodenqualität ab.
    • Vitamin D
      • Ist bedeutend für eine normale Funktion des Immunsystems und ein Mangel wird häufig bei Schilddrüsenerkrankungen beobachtet.
      • Bei einem nachgewiesenem Mangel und nach ärztlicher Absprache kann eine gezielte Supplementierung sinnvoll sein.

      Die richtige Ernährung für ein robustes Mikrobiom

      • Ballaststoffreich, vielfältig und bunt: Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkorn, Nüsse und Samen versorgen nützliche Darmbakterien mit Futter und liefern wichtige Mikronährstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe wie Polyphenole.
      • Fermentierte Lebensmittel: Rohes Sauerkraut, Kimchi, Kefir, Joghurt und Kombucha bereichern das Mikrobiom mit Laktobazillen und Bifidobakterien.
      • Gesunde Fette: Omega-3 aus Fisch oder Algenöl, Avocados, hochwertiges Olivenöl, Leinöl, Nüsse und Samen.
      • Ausreichend Protein aus verschiedenen Quellen (mehr dazu, siehe hier: Protein und Darmgesundheit: So beeinflusst Eiweiß dein Mikrobiom)
      • Vermeide stark verarbeitete Lebensmittel, Zucker, Süßstoffe, Alkohol und Zigaretten - sie können die Darmbarriere und die Balance des Mikrobioms stören.

      Außerdem spielt der Lebensstil eine wichtige Rolle für die Darmgesundheit und die Schilddrüsengesundheit: Achte auf gutes Stressmanagement, ausreichend Entspannung und Schlaf sowie regelmäßige Bewegung.

      Fazit

      Die Verbindung zwischen Schilddrüse und Darm-Mikrobiom ist ein spannendes Forschungsfeld, das künftig zu besseren Behandlungsmöglichkeiten bei Schilddrüsenerkrankungen führen könnte. Zwar sind noch nicht alle Mechanismen vollständig verstanden, aber klar ist: Das Mikrobiom beeinflusst die Schilddrüse direkt oder indirekt – zum Beispiel über das Immunsystem, die Verfügbarkeit wichtiger Nährstoffe und den Stoffwechsel.

      Wer seine Darmgesundheit stärkt, tut also auch seiner Schilddrüse etwas Gutes!

      Du möchtest nun genauer wissen, was passiert, wenn die Schilddrüse aus dem Gleichgewicht gerät oder Autoimmunerkrankungen auftreten und wie das Mikrobiom daran beteiligt sein kann? Dann lies dich durch unseren zweiten Blogartikel zur Darm-Schilddrüsen-Achse: Schilddrüse: Unterfunktion, Überfunktion und was das Darm-Mikrobiom mit Autoimmunerkrankungen zu tun hat

      Referenzen

      • Knezevic J, Starchl C, Berisha AT, Amrein K, Knezevic J, Starchl C, u. a. Thyroid-Gut-Axis: How Does the Microbiota Influence Thyroid Function? Nutrients. 2020;12(6)
      • Jiang W, Lu G, Gao D, Lv Z, Li D. The relationships between the gut microbiota and its metabolites with thyroid diseases. Front Endocrinol. 2022;13.
      • Silva IB, Puig-Domingo M. The impact of thyroid disorders on the gut microbiome: emerging mechanisms and clinical relevance. Arch Endocrinol Metab. 2025;70(spe 1):e250075.
      • Xie L, Zhao H, Chen W. Relationship between gut microbiota and thyroid function: a two-sample Mendelian randomization study. Front Endocrinol. 2023;14.
      • Xu GM, Hu MX, Li SY, Ran X, Zhang H, Ding XF. Thyroid disorders and gastrointestinal dysmotility: an old association. Front Physiol. 2024;15:1389113.
      • Endocrine Society. Thyroid treatment may improve gut health in people with hypothyroidism. Washington, DC; 2025 Juli [zitiert 5. Januar 2026]. Verfügbar unter: https://www.endocrine.org/news-and-advocacy/news-room/endo-annual-meeting/endo-2025-press-releases/mathur-press-release
      Carina Gurtner BSc, BA
      Carina Gurtner BSc, BA
      Nutricionista
      Como nutricionista y científica de los medios de comunicación, Carina utiliza su experiencia para comunicar temas de salud complejos de forma comprensible. Su objetivo es inspirar a otros para que lleven un estilo de vida consciente, sano y sostenible.