Schilddrüse: Unterfunktion, Überfunktion und was das Darm-Mikrobiom mit Autoimmunerkrankungen zu tun hat - myBioma

Schilddrüse: Unterfunktion, Überfunktion und was das Darm-Mikrobiom mit Autoimmunerkrankungen zu tun hat

Die Schilddrüse ist ein kleines Organ mit großer Wirkung. Über ihre Hormone steuert sie unseren Stoffwechsel, beeinflusst Energielevel, Verdauung, Gewicht, Stimmung und Immunsystem. Gerät sie aus dem Gleichgewicht, kann sich das auf viele Bereiche des Körpers auswirken – oft unspezifisch und nicht immer leicht zuzuordnen. 

Eine wichtige Rolle für ihre Gesundheit spielt unser Darm und insbesondere unser Darm-Mikrobiom (auch als Darmflora bekannt). Mehr über diesen Zusammenhang erfährst du in diesem Blogartikel: Schilddrüse & Darmgesundheit: Die unterschätzte Verbindung, die du kennen solltest

Schilddrüsenerkrankungen sind weit verbreitet. Besonders häufig sind eine Unter- oder Überfunktion sowie die Autoimmunerkrankungen Hashimoto-Thyreoiditis und Morbus Basedow. In diesem Artikel bekommst du einen verständlichen Überblick darüber, wie sich diese Erkrankungen unterscheiden, welche Symptome häufig auftreten und wieso das Darm-Mikrobiom an der Entstehung beteiligt sein kann.

Was passiert bei einer Unterfunktion oder Überfunktion der Schilddrüse?

Gerät die Hormonproduktion der Schilddrüse aus dem Gleichgewicht, laufen viele Körperfunktionen entweder zu schnell oder zu langsam ab. Ursachen können Autoimmunerkrankungen, aber beispielsweise auch eine Unter- oder Überversorgung mit Jod, bestimmte Medikamente, eine angeborene Fehlbildung der Schilddrüse oder Entzündungen nach Virusinfektionen sein (1).

Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

➡️ Die Schilddrüse produziert zu wenig Hormone
Typische Anzeichen sind unter anderem:

Eine häufige Ursache ist die Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis.

Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)

➡️ Die Schilddrüse bildet zu viele Hormone.
Mögliche Symptome sind unter anderem:

Eine häufige Ursache ist Morbus Basedow, ebenfalls eine Autoimmunerkrankung.

Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse: Hashimoto und Morbus Basedow

Autoimmunerkrankungen entstehen, wenn das Immunsystem fälschlicherweise den eigenen Körper angreift. Statt Krankheitserreger zu bekämpfen, richtet sich die Abwehr gegen eigenes Gewebe, etwa die Schilddrüse. Das kann zu chronischen Entzündungen, Funktionsstörungen und langfristigen Schäden führen. 

Außerdem treten diese Erkrankungen häufig zusammen mit Zöliakie (CD), Glutensensitivität bzw. Nicht-Zöliakie-Weizensensitivität und einem Ungleichgewicht im Mikrobiom (Dysbiose) auf - was den engen Zusammenhang mit unserer Darmgesundheit unterstreicht (2).

Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse entwickeln sich häufig schleichend und bleiben oft lange unbemerkt.

Hashimoto-Thyreoiditis – wenn das Immunsystem die Schilddrüse bremst

Die chronische Schilddrüsenentzündung Hashimoto ist die häufigste Schilddrüsen-Autoimmunerkrankung und tritt bei bis zu 10 % der Allgemeinbevölkerung auf, überwiegend bei Frauen.

Was passiert im Körper?

  • Das Immunsystem bildet Antikörper gegen Schilddrüsengewebe (z. B. TPO-Antikörper).
  • Die Schilddrüse entzündet sich und wird nach und nach immer mehr geschädigt.
  • Als Folge kann sie immer weniger Schilddrüsenhormone produzieren.

Anfangs kann die Hormonproduktion noch normal oder sogar erhöht sein (Überfunktion). Mit der Zeit entwickelt sich jedoch meist eine Unterfunktion. Die Behandlung besteht meist aus der Einnahme von Schilddrüsenhormonen, um den Mangel auszugleichen und einer Minimierung der Jodaufnahme (3,4).

Morbus Basedow – wenn das Immunsystem die Schilddrüse antreibt

Morbus Basedow ist ebenfalls eine Autoimmunerkrankung, wirkt aber genau gegenteilig - sie bewirkt, dass die Schilddrüse immer mehr Hormone produziert. 

Was passiert im Körper?

  • Das Immunsystem bildet stimulierende Antikörper (TRAK).
  • Diese Antikörper aktivieren die Schilddrüse dauerhaft.
  • Die Schilddrüse produziert zu viele Hormone - es entsteht eine Schilddrüsenüberfunktion.

Die Krankheit kann in Schüben verlaufen und wird meist mit Medikamenten, seltener mit Radiojod oder einer Operation behandelt. Bei einer fortgeschrittenen Erkrankung kann es zu einer Schilddrüsenvergrößerung (Struma) und Augenveränderungen wie hervortretenden Augäpfeln (Exophthalmus) kommen (3,5).

Warum das Darm-Mikrobiom Autoimmunerkrankungen auslösen kann

Warum Autoimmunerkrankungen entstehen, ist nicht immer klar. Neben einer genetischen Veranlagung rückt auch der Darm immer mehr in den Fokus der Forschung.

Insbesondere die Darmschleimhaut, eine wichtige Schutzbarriere, dürfte dabei eine bedeutende Rolle spielen: Ist die Darmbarriere geschwächt und durchlässiger („Leaky Gut“) können Stoffe aus dem Darm in den Blutkreislauf gelangen, die dort eigentlich nichts verloren haben. Dazu gehören zum Beispiel Bakterienbestandteile, Toxine oder schlecht verdaute Nahrungsreste. Das Immunsystem wird dadurch ständig alarmiert und gerät aus dem Gleichgewicht.

In dieser Dauer-Alarmbereitschaft kann es passieren, dass das Immunsystem die Orientierung verliert und plötzlich auch körpereigene Strukturen angreift – etwa Bestandteile der Schilddrüse (3).

Ein gesundes Darm-Mikrobiom unterstützt die gesunde Barrierefunktion der Darmschleimhaut - unter anderem, indem es wichtige Substanzen wie kurzkettige Fettsäuren (SCFA) produziert. Wie du dein Mikrobiom unterstützen kannst, erfährst du hier: In 5 Schritten zu einem gesunden Darm-Mikrobiom

Wenn du nun wissen möchtest, wie es deinem individuellen Mikrobiom geht, ob es Hinweise auf Leaky Gut gibt und ob deine Darmbakterien deine Schilddrüse gut unterstützen, könnten die myBioma Mikrobiom-Tests aufschlussreich für dich sein.

Du möchtest wissen, wie du sowohl Darm als auch Schilddrüse unterstützen kannst? Tipps dazu findest du in diesem Blogartikel: Schilddrüse & Darmgesundheit: Die unterschätzte Verbindung, die du kennen solltest

Wichtiger Hinweis zum Schluss

Das Wissen um die Zusammenhänge zwischen Schilddrüse, Darm und Immunsystem kann helfen, den eigenen Körper besser zu verstehen – und frühzeitig die richtigen Schritte zu setzen. Bei anhaltenden Beschwerden oder dem Verdacht auf eine Schilddrüsenerkrankung sollte immer ärztlicher Rat eingeholt werden.

 

Referenzen

  • Xu GM, Hu MX, Li SY, Ran X, Zhang H, Ding XF. Thyroid disorders and gastrointestinal dysmotility: an old association. Front Physiol. 2024;15:1389113.
  • Knezevic J, Starchl C, Berisha AT, Amrein K, Knezevic J, Starchl C, u. a. Thyroid-Gut-Axis: How Does the Microbiota Influence Thyroid Function? Nutrients. 12. Juni 2020;12(6).
  • Sessa L, Malavolta E, Sodero G, Cipolla C, Rigante D. The conspiring role of gut microbiota as primer of autoimmune thyroid diseases: A scoping focus. Autoimmunity Reviews. 30. April 2025;24(5):103780.
  • Hashimoto-Thyreoiditis | Symptome einer Schilddrüsenentzündung [Internet]. Deutsches Schilddrüsenzentrum. [zitiert 12. Januar 2026]. Verfügbar unter: https://www.deutsches-schilddruesenzentrum.de/wissenswertes/schilddruesenerkrankungen/entzuendungen-hashimoto/
  • Morbus Basedow: Symptome | Autoimmunerkrankung Schilddrüse [Internet]. Deutsches Schilddrüsenzentrum. [zitiert 12. Januar 2026]. Verfügbar unter: https://www.deutsches-schilddruesenzentrum.de/wissenswertes/schilddruesenerkrankungen/morbus-basedow/
Carina Gurtner BSc, BA
Carina Gurtner BSc, BA
Ernährungswissenschaftlerin
Als Ernährungswissenschaftlerin und Medien- & Kommunikationswissenschaftlerin nutzt Carina ihre Expertise, um komplexe Gesundheitsthemen verständlich zu vermitteln. Ihr Ziel ist es, andere zu einem bewussten, gesunden und nachhaltigen Lebensstil zu inspirieren.