KAU DICH SCHLANK? - Interview mit Barbara Plaschka von kauGENAU - myBioma

KAU DICH SCHLANK? - Interview mit Barbara Plaschka von kauGENAU

KAU DICH SCHLANK?

OK, ich glaube folgende Sätze hat bereits jeder einmal gehört „Schling doch nicht so!“ oder „Jetzt kau doch etwas länger!“ und war dabei eventuell etwas genervt oder gar beleidigt.

Mein heutiger Gast trifft eben wieder genau diesen Nerv. Als Kau-Expertin, Abnehmcoach und Buchautorin trainiert sie mit ihren Kunden das GENAUE Kauen.

Hallo liebe Barbara, vielen lieben Dank, dass du dir heute Zeit für uns nimmst.
Stell dich doch einmal kurz unseren Leser:innen vor und verrate uns, was ist eine Kau-Expertin und wie kam es dazu?

Sehr gerne. Als Abnehmcoach und Kautrainerin begleite ich meine Klient:innen raus aus der Diätspirale, hinein in ein genussvolles Leben mit ihrem Wohlfühlgewicht. Wir legen den Schwerpunkt auf das WIE wir essen, nicht länger nur auf das Was. In den Köpfen vieler wimmelt als nur so von Verboten und Regeln, die sie einhalten sollten, um abzunehmen. Meist mit wenig Freude an der Sache und fehlendem Erfolg.
In meinen Augen ist alles erlaubt. Die Menge macht’s. Und wer dem Bissen wieder mehr Beachtung schenkt, der merkt sehr schnell, dass sich in Sachen Portionsgröße auf einmal von alleine viel ändert.

Wie ich aufs gute Kauen kam? Ehrlich jetzt? Auf der Toilette! Mein Töchterchen hat sich eines Tages mein „Geschäft“ mal ein bisschen genauer angeschaut und mir ganz überrascht mitgeteilt, dass die Sonnenblumenkerne aus meinem Frühstück da ja noch ganz drin sind. Da hat’s bei mir Klick gemacht. Wegen einer Nervenverletzung habe ich mein Müsli extra damit gepimpt und dann landen die guten Zutaten einfach so in der Kanalisation. Das geht ja mal gar nicht. Ab dem Moment habe ich alles so lange gekaut, bis es wirklich breiig war. Und dabei festgestellt, wieviel mehr Geschmack ich dadurch erlebe. Und nicht nur das. Ich war schneller satt. Ab dem Moment lief keine Ernährungsberatung bei mir mehr ohne Kautraining ab. Mit dem Erfolg, dass meine Klient:innen auf nichts verzichten müssen und trotzdem ihr Wohlfühlgewicht erreichen. Eben ganz genussvoll und ohne Diät.

„Kau dich schlank“, das ist der Titel deines Buchs, das im Frühling 2024 veröffentlicht wird.
Erzähl doch ganz grob, was erwartet mich als Leser und für wen hast du es vor allem geschrieben?

„Kau dich schlank“ ist für alle, die gesund und genussvoll ihr Wohlfühlgewicht erreichen oder halten möchten. Ohne eine neue Diät zu starten. Der Leser wird in die faszinierende Welt der Verdauung und des Geschmacks eintauchen und erkennen, welch großen Einfluss das Kauen darauf hat. Natürlich gibt es eine klare Schritt-für-Schritt Anleitung, wie man am besten damit startet und warum man typische Diät-Mythen dadurch über Bord werfen kann.

Um ganz ehrlich zu sein, mir kann es beim Essen nicht schnell genug gehen. Und da ist mir der Löffel zum Schaufeln doch mein liebstes Werkzeug. Möglichst viel in kurzer Zeit, so könnte wohl mein Motto lauten.
Vermutlich stellen sich dir, Barbara, gerade die Kau-Härchen auf, aber sag uns bin ich da ein Einzelfall und wieso ist mir das Kauen eher ein notwendiges Übel?

Ich kann dich beruhigen, du bist auf keinen Fall ein Einzelfall. Wenn ich mich umschaue, und das tue ich sehr gerne, dann ist das Schlingen doch sehr verbreitet. Das liegt an unserem Schluckreflex und unseren Essgewohnheiten, die wir uns von anderen abschauen. Vorsicht an alle, die jetzt dem Schluckreflex die Schuld in die Schuhe schieben wollten. Ohne ihn wären wir als Säuglinge ziemlich aufgeschmissen. Die gute Muttermilch käme nicht dort hin, wo sie hin soll. Er ist also nicht der Bösewicht. Er ist nur ungeduldig. Aber das lässt sich ändern.

“Der Schluckreflex ist ungeduldig, aber das lässt sich ändern!“

Für jemanden, wie mich, der nach zwei Minuten Kauzeit den unbezwingbaren Drang verspürt sein Kaugummi herunterzuschlucken, nachdem der Geschmack dezent verflogen ist. Wie kann ich diesen Schluckreflex trainieren und was wären deine ersten Tipps an mich?

Wichtig ist zu verstehen, dass dein Schluckreflex nicht allein das Sagen hat. In deinem Mund, sind auch noch deine Zähne, deine Zunge und dein Geschmackssinn. Alle gemeinsam dürfen lernen, wieder im Team zu arbeiten.
Der Schluckreflex kann jederzeit auf der Matte stehen. Dann ist es wichtig, dass deine Zunge gelernt hat, dass sie nur runter lässt, was bereits gut gekaut wurde und flüssig oder breiig ist. Der Rest bleibt im Mund und wird weiter gekaut. Auf diese Weise kommt der Geschmackssinn voll auf seine Kosten, weil ein Bissen einfach viel länger im Mund bleibt.
Einmal geschluckt ist es vorbei mit dem Geschmack, denn im Magen haben wir keine Geschmacksknospen mehr. Wer schnell und hastig runterschluckt, greift logischerweise viel öfter in die Kekspackung, als wenn ein Keks voll ausgekostet wurde.

Ich habe gelesen, du bist ein großer Fan unseres „Zaubersaftes“ Speichel.
Wenn ich an Speichel denke, fällt mir sofort die Reaktion einer Freundin ein, die die Begeisterung von unserem „Mund-Wasser“ ganz und gar nicht teilt.
Was ist denn jetzt so zauberhaft an ihm und wieso ekeln sich so viele davor?

Eklig wird es meistens nur, wenn es um den Speichel anderer geht. Da vermuten wir nämlich – fälschlicherweise – viele krankmachende Keime drin. Womöglich gestellt sich noch die ein oder andere unschöne Erinnerung an unsere Kindergartenzeit dazu, wenn wir angespuckt wurden. Das ist ja auch voll verständlich. Mit dem Speichel von anderen müssen wir uns auch gar nicht anfreunden, es reicht, wenn wir den eigenen toll finden. Und nicht nur als Kind, wenn man herrliche Spuckeblasen damit fabrizieren kann, sondern auch noch im Erwachsenenalter.

Denn der Speichel arbeitet auf Hochtouren für unsere Gesundheit. Natürlich wirkt er verdauungsfördernd, denn mit seinen kohlenhydratspaltenden Enzymen werden im Mund lange Stärkeketten schon zu kleineren Einheiten zerschnippelt. Außerdem enthält der Speichel Enzyme, die Bakterien und Viren unschädlich machen können. Hier ist also schon der erste wichtige Checkpoint für das Immunsystem. Im Speichel sind Mineralien gelöst, die unseren Zahnschmelz remineralisieren und so für gesunde Zähne sorgen. Nicht zu vernachlässigen ist die geschmackssteigernde Wirkung. Denn erste wenn die Geschmacksstoffe durch den Speichel aus dem Bissen herausgelöst wurden, können unserer Geschmacksknospen diese wahrnehmen und uns den Geschmack vermitteln. Durch das gute Kauen und einspeicheln vergrößern wir außerdem das Volumen unseres Bissens, so dass Sättigungsrezeptoren im Magen entsprechend besser aktiviert werden. Man kann also sagen, wer besser kaut ist schneller satt.
Und eine Sache ist im Hinblick auf das Mikrobiom auch noch völlig spannend. Akkermansia muciniphila ernährt sich von Speichel. Wenn wir durch zu schnelles Runterschlucken zu wenig Speichel liefern, dann hungert dieses wertvolle Bakterium leider sehr.

Ich hoffe das waren genug Gründe, um dem Speichel künftig mit mehr Bewunderung und Dankbarkeit zu begegnen und ihm die Möglichkeit zu geben, dass er seine Arbeit erledigen kann. Das geht übrigens nur im Mund. Sobald der Bissen den Magen erreicht, herrscht dort ein ganz anderer ph-Wert, bei dem die Speichelenzyme nicht mehr aktiv sind.

Interessant, jetzt verstehe ich deinen Hype um unseren Speichel.
Welche Menschen kommen denn zu dir und wie sieht so ein Coaching aus?

Hauptsächlich die, die abnehmen möchten und keine Lust mehr darauf haben Punkte oder Kalorien zu zählen. Oft ist auch schon eine gewisse Diät“karriere“ mit im Gepäck. Manchmal sind es auch Darmbeschwerden, wieso sie mich finden. Oder eine Mischung aus beiden. Viele stellen nach ein paar Tagen Kautraining Verbesserungen beim Darm und der Verdauung fest und kommen dadurch schon in einen ganz anderen Wohlfühlmodus. Wie wir ja wissen, steckt die Gesundheit im Darm, und der beginnt nun mal im Mund.

Barbara Plaschka von KauGENAU
“Wie wir ja wissen, steckt die Gesundheit im Darm, und der beginnt nun mal im Mund.” – Kautrainerin Barbara Plaschka von KauGenau

Du weißt, wir von myBioma lieben unser Darm-Mikrobiom und wissen unsere Gesundheit liegt im Darm.
Also worin unterscheidet sich die Bedeutung eines gut vorgekauten Nahrungsbreis für unseren Verdauungstrakt im Vergleich zu schlecht gekauter Nahrung. Wieso unterstütze ich meine Darm-Bakterien damit überhaupt?

Unser Darm ist kein isoliertes Organ, das irgendwo in Leibesmitte anfängt. Unser Verdauungstrakt ist ein ca. 8 Meter langer Schlauch, der im Mund beginnt und am After endet. Auf der gesamten Strecke passiert die Magie. Ich vergleiche es gerne mit einer Fliessbandproduktion, an der es bestimmte Stationen gibt. Jede Station ist für eine andere Aufgabe zuständig. Und wenn an der ersten Station, die Arbeit nicht richtig erledigt wird, weil gerade mal wieder alles ruckizucki gehen muss, dann setzen sich diese „Fehler“ weiter fort. Was im Mund nicht erledigt wird, stellt für Magen und Darm einfach schlechtere Arbeitsbedingungen dar. Ein schlecht gekauter Bissen bietet zum Beispiel weniger „Angriffsfläche“ für die Verdauungsenzyme. Außerdem können große Nahrungsbrocken zu Fäulnisprozessen führen, woraufhin sich der ph-Wert verändert, was natürlich Auswirkungen auf das Mikrobiom hat.
Das Kauen hilft aber nicht nur dabei, dass der Bissen gut zerkleinert und eingespeichelt wird, sondern es stimuliert auch über die Zunge unseren Vagus-Nerv. Sein Einfluss auf unseren Verdauungstrakt und das Mikrobiom ist ja bekanntlich sehr, sehr groß. (Verlinke hier doch bitte zu bestimmt 15 genialen Blogposts eurerseits. Wenn ich hier aushole, sprengt es den Rahmen). Wir stellen über das gründliche Kauen bereits die Weichen auf Verdauung und können uns über einen leistungsbereiten Darm und ein gesundes Mikrobiom freuen. Was gibt’s besseres?

Du arbeitest ja mit unserer myBioma Analyse. Welche Vorteile siehst du persönlich darin und was kannst du unseren Leser:innen hierzu mitgeben?

Ich finde es äußerst spannend mit der myBioma Analyse einen Einblick in die Welt der eigenen Darmmikroben zu bekommen. Das ist für mich vergleichbar mit einem großen Blutbild beim Gesundheitscheck. Nur dass es hier nicht um Blutfett- oder Leberwerte geht, sondern um die Vielzahl der Darm-Bewohner. Wie ist man persönlich aufgestellt? Was lässt sich verbessern? Lassen sich womöglich bestimmte Beschwerden dadurch erklären?
Das alles hat für mich einen sehr großen Wert und ich kann die myBioma Analyse nur empfehlen. Allein schon der Moment der Probenentnahme ist ein Grund zum Feiern. Denn wie oft schenken wir unseren Ausscheidungen die Aufmerksamkeit, die sie eigentlich verdient hätten? Viel zu selten.

Wir wissen alle, sich neue Verhaltensweisen anzueignen kann ziemlich anstrengend werden. Deshalb meine abschließende Frage:
Was kann ich anfänglich tun, um mein Darm-Mikrobiom zu verbessern und auch langfristig erfolgreich dabei zu bleiben?

Wenn es Spaß macht und schmeckt, dann ist schon sehr, sehr viel dafür getan, dass wir gerne dran bleiben und nicht übermorgen wieder alles über den Haufen werfen. Daher empfehle ich kleine Schritte am Anfang. Auf gar keinen Fall die ganze Mahlzeit als neues Ziel setzen. Es reicht ein Bissen, der gründlich und voller Achtsamkeit gekaut wird. Dafür täglich. Denn neue Gewohnheiten brauchen nun mal ihre Zeit.
Am besten kaut man den Bissen außerhalb der typischen Mahlzeiten. So ist man nicht vom alltäglichen Setting und den Gesprächspartnern abgelenkt. Wer hier eine Anleitung möchte, der kann gerne auf YouTube bei mir vorbei schauen. Dort habe ich den „Tuesday is Chewsday“. Das ist mein Fitnessstudio für die Kauausdauer, in dem man lernt, wie Zunge, Schluckreflex und Geschmackssinn wieder zusammen arbeiten. Keine Sorge, es wird nicht schweißtreibend, sondern ganz entspannend und genussvoll. So, dass man eben gerne dran bleibt und den Bissen künftig ganz automatisch mehr Beachtung schenkt.

Liebe Barbara, danke für das tolle Interview.
Vermutlich werden viele Leser:innen ab sofort vermehrt auf das eigene Kauen achten, ich zumindest werde es tun.

Barbara Plaschka
Webseite: https://barbaraplaschka.de/