Inhaltsverzeichnis
- Die Brücke von der Theorie zur Praxis: Der myBioma Panel-Talk in Wien
- Wer saß auf dem Panel? Drei starke Stimmen für die Frauengesundheit
- Erkenntnis 1: Hinzufügen statt Weglassen – ein neues Framing für die Ernährung
- Erkenntnis 2: Medizinisches Gaslighting und warum du deine Schmerzen ernst nehmen musst
- Erkenntnis 3: Das Schmerzgedächtnis rechtzeitig stoppen – keine Angst vor Schmerzmitteln
- Erkenntnis 4: Alltags-Hacks – Beckenbodenentspannung & das richtige Dehnen
- Fazit: Brich das Schweigen und hol dir Unterstützung!
Im ersten Teil unserer Serie haben wir mit der Ernährungswissenschaftlerin Dr. Stephanie Lilja ausführlich über die biochemische Verbindung zwischen dem Darm-Mikrobiom, dem Östrobolom und Endometriose gesprochen.
Die Brücke von der Theorie zur Praxis: Der myBioma Panel-Talk in Wien
Wie sieht die Umsetzung im echten Leben aus, wenn Theorie auf den Alltag trifft?
Genau darum ging es in unserem myBioma Panel Talk am Feel Good Festival in Wien! Bei hochsommerlichen Temperaturen haben wir die Tabus rund um Regelschmerzen und Verdauungsprobleme gebrochen.
In diesem Artikel teilen wir die wichtigsten persönlichen Learnings, handfeste Alltags-Hacks und die zutiefst bewegenden Botschaften unserer Panel-Gäste mit euch.
Wer saß auf dem Panel? Drei starke Stimmen für die Frauengesundheit
Um das Thema ganzheitlich zu beleuchten, hatten wir eine inspirierende Runde auf der Bühne, die das Thema Endometriose und Darmgesundheit sowohl aus persönlicher, sportwissenschaftlicher als auch aus tiefgehender biochemischer Sicht beleuchtet hat:

Dr. Stefanie Lilja
Dr. Stefanie Lilja (Instagram: @stephanielilja):
Ernährungswissenschaftlerin, Mikrobiom-Expertin und Molekularbiologin aus Wien. Sie begleitete das Panel mit ihrer fundierten wissenschaftlichen Expertise. Als Expertin für die hormonelle Komponente des Darms erklärte sie dem Publikum anschaulich, wie das Östrobolom tickt und warum eine gezielte Mikrobiomanalyse der Schlüssel für eine beschwerdefreie Zyklusphase sein kann.

Emily Knafl
Emily (Instagram: @emelushka):
Content-Creatorin aus München. Sie wurde erst mit 24 Jahren nach einem jahrelangen Leidensweg mit Endometriose (und ADHS) diagnostiziert. Früher litt sie unter extremen Schmerzen, u. a. in Zusammenhang mit entzündungsfördernder Ernährung. Eine myBioma Mikrobiomanalyse half ihr schließlich zu verstehen, wie eng ihr Darm und die Endometriose-Symptome zusammenhängen.

Hanna Gumpinger
Hanna (Instagram: @hannagum_):
Personal Trainerin, Pilates-Instruktorin und angehende Sportwissenschaftlerin aus Wien. Auch sie bemerkte schon seit ihrer ersten Periode, dass ihre Beschwerden nicht "normal" waren. Als ehemalige Leistungssportlerin im Tanzbereich war sie es gewohnt, Schmerz wegzudrücken – bis sie schließlich lernte, für ihren eigenen Körper einzustehen.
Erkenntnis 1: Hinzufügen statt Weglassen – ein neues Framing für die Ernährung
In der Welt der Endometriose-Ernährung stolpert man schnell über endlose Listen von Verboten. Auf dem Panel wurde jedoch schnell klar: Strikte Verbote erzeugen oft nur zusätzlichen Stress.
Hanna teilte dazu eine wunderbare Perspektive: „Für mich ist Essen Kraftstoff (Fuel). Ich fokussiere mich bei mir und meinen Coaching-Kundinnen eher darauf, was ich der Ernährung hinzufügen kann, anstatt etwas wegzunehmen.“ Das ist ein viel positiveres Framing, das Frust im Alltag verhindert.
Der Omega-3-Tipp: Anstatt sich zu stressen, was man nicht darf, lieber gezielt gesunde Entzündungshemmer einbauen. Nüsse sind hier die perfekte, praktische Quelle für hochwertige Omega-3-Fettsäuren: Sie schmelzen nicht (selbst bei Festival-Hitze) und lassen sich überallhin mitnehmen.
Der Blutzucker-Hack: Wer wie Hanna einen "Sweet Tooth" hat (besonders im Zusammenspiel mit ADHS verlangt das Gehirn oft nach schneller Energie), muss Zucker nicht komplett verbannen. Wichtig ist die Kombination: Wenn Süßes, dann am besten kombiniert mit einer hochwertigen Protein- oder Fettquelle, um Achterbahnfahrten des Blutzuckerspiegels und damit getriggerte Entzündungen abzufedern.
Mikrobiom-Kompass: Emily nutzt die Erkenntnisse ihrer Mikrobiomanalyse gezielt im Alltag. In der PMS-Phase verzichtet sie bewusster auf Weizen und Alkohol, baut dafür aber leidenschaftlich gerne fermentierte Lebensmittel wie Kimchi oder selbst eingelegte Zwiebeln ein, um ihre nützlichen Darmbakterien zu füttern.
Erkenntnis 2: Medizinisches Gaslighting und warum du deine Schmerzen ernst nehmen musst
Ein Thema, das auf der Bühne für viel Gänsehaut und Nicken im Publikum sorgte, war das sogenannte medizinische Gaslighting – also das Herunterspielen von realen Schmerzen durch medizinisches Fachpersonal.
Sowohl Emily als auch Hanna machten die schmerzhafte Erfahrung, dass Ärzt:innen ihnen jahrelang einredeten, starke Regelschmerzen seien "ganz normal, da müsse man halt durch". Hanna wurde mit 16 Jahren sogar von einem Spezialisten weggeschickt mit der Begründung, sie sei „zu jung für Endometriose“ und man sehe im Ultraschall nichts.
Hier räumten die beiden mit einem riesigen Missverständnis auf: Nur weil man in einem normalen Standard-Ultraschall keine Herde sieht, heißt das absolut nicht, dass keine Endometriose vorliegt! Eine verlässliche Diagnose erfordert spezialisierte Verfahren oder oft eine Bauchspiegelung (Laparoskopie).
Emily gab den Zuhörerinnen eine kraftvolle Botschaft mit auf den Weg: „Viele Frauen haben vor einer OP Angst und fragen sich: Was, wenn ich mir das alles nur eingebildet habe und die Ärzte nichts finden? Ich sage dir: Du bist ganz sicher nicht verrückt. Schmerzen sind das, was du wahrnimmst. Gaslighte dich nicht schon im Vorhinein selbst, weil es die anderen um dich herum tun. Hör auf dich selbst und geh, wenn nötig, zum dritten, vierten oder fünften Arzt!“ Eine frühzeitige Diagnose ist essenziell, um schwere Verwachsungen rechtzeitig einzudämmen.
Erkenntnis 3: Das Schmerzgedächtnis rechtzeitig stoppen – keine Angst vor Schmerzmitteln
Ein absolut faszinierender und wissenschaftlich wichtiger Punkt, den Emily einbrachte, betrifft den Umgang mit Schmerzmedikation. Viel zu oft versuchen Betroffene, die Schmerzen "auszuhalten", um keine Tabletten nehmen zu müssen. Aus biologischer Sicht ist das jedoch fatal, da unser Körper ein sogenanntes Schmerzgedächtnis besitzt.
Wenn ein starker Schmerz immer wieder toleriert und nicht rechtzeitig gestillt wird, speichert das Nervensystem diesen Reiz ab. Bei der nächsten Periode wird derselbe physische Reiz vom Schmerzgedächtnis dann um ein Vielfaches intensiver und schmerzhafter an das Gehirn zurückgespiegelt.
Rechtzeitig handeln: „Bitte nehmt Schmerzmittel nicht zu spät“, appellierte auch Hanna und teilte eine persönliche Geschichte, in der sie im Straßenverkehr ohnmächtig wurde, weil sie Tabletten zu lange herausgezögert hatte. „Ihr müsst nicht die Starke spielen, wenn ihr diese Schmerzen spürt.“
Schutz für Magen und Darm: Da viele gängige Schmerzmittel (wie Ibuprofen) den Magen und die Darmschleimhaut angreifen können, betonten beide, wie wichtig es ist, in diesen Phasen trotz der Schmerzen auf eine magenschonende und darmfreundliche Nahrungszufuhr zu achten.
Erkenntnis 4: Alltags-Hacks – Beckenbodenentspannung & das richtige Dehnen
Am Ende des Talks teilten Emily und Hanna noch zwei konkrete, physische Übungen, die sofort Linderung bei Krämpfen verschaffen können:
1. Beckenboden-Entspannung & Osteopathie (Emilys Tipp)
Viele Frauen wachsen gesellschaftlich mit dem internalisierten Glauben auf, man müsse den „Bauch einziehen“ – eine permanente Grundspannung, die bei Endometriose Gift für das Becken ist. Emily empfiehlt hier ganz klar die spezialisierte Osteopathie und gezielte Beckenbodenmassagen (die sowohl von außen als auch intravaginal Blockaden lösen können): „Wenn man den Bauch mal ganz bewusst locker lässt, in die Entspannung reingeht und aktiv überprüft: Ziehe ich gerade schon wieder unbewusst den Beckenboden hoch oder lasse ich locker? – Das macht einen riesigen Unterschied bei Krämpfen.“
2. Das "Langzeit-Stretching" (Hanna's Tipp)
Für Menschen, denen das klassische Stillhalten bei der Entspannung schwerfällt, ist Bewegung in Form von sanftem Stretching (z. B. spezielles Yoga, Becken- und Hüftbeuger-Übungen) ideal. Hanna verriet hierbei einen wichtigen sportwissenschaftlichen Trick:
Der 2-Minuten-Timer: Wenn du eine Dehnposition (z. B. zur Öffnung des Beckens oder des unteren Rückens) unter einer Minute hältst, sinkt der Muskeltonus nur kurzfristig und der Effekt verpufft schnell. Um nachhaltig Spannung aus den verkrampften Strukturen zu nehmen und echte physiologische Anpassungen zu erreichen, solltest du jede Position für mindestens ein bis zwei Minuten halten. Am besten mit einem Timer auf dem Handy!
Kostenlose Ressourcen nutzen: Es muss nicht teuer sein. Auf Plattformen wie YouTube oder Instagram gibt es fantastische, kostenlose Anleitungen unter Suchbegriffen wie „Breathwork“, „Pelvic Floor Relaxation“ oder „Endo Belly Exercises“.
Fazit: Brich das Schweigen und hol dir Unterstützung!
Die wichtigste Kernbotschaft des Feel Good Festival Panels schließt den Kreis zu unserem ersten Blogartikel: Endometriose betrifft etwa jede zehnte Frau – und niemand sollte mit diesem komplexen Zusammenspiel aus Hormonen, Darmbeschwerden und Schmerzen allein gelassen werden.
Weihe dein engstes Umfeld (Familie, Partner, Freunde) ein, damit Verständnis statt Rechtfertigung im Alltag Platz findet.
Und vor allem: Tauscht euch aus und vernetzt euch mit anderen Betroffenen!
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Wenn du mehr über das Thema “Östrogen und das Östrobolom” erfahren möchtest, können wir dir diesen weiterführenden Blogartikel empfehlen: Frauengesundheit und Darmgesundheit: Zusammenhänge erklärt.
